Disputorium

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Mutant Chronicles 1/2 versus 3

Kann die beiden jemand aus eigener Ansicht kontrastieren? Die Frage kam mir durch den Cyberpunkthread wieder in den Sinn.

Current thinking of this agency: 10 Ignores

Ja. - Die Regeln von MC1/2 und MC3 sind SEHR unterschiedlich, komplett inkompatibel zu einander, haben auch andere Zielsetzungen im Regelentwurf.

Das Setting wurde ebenfalls in MC3 abgeändert durch die Aufnahme von Whitestar als einer neuen mächtigen Gruppierung, die früher unter den diversen "Restgesellschaften" von Dark Eden enthalten gewesen sein mag, jetzt aber gerade in puncto des MC-Metaplots eine gewichtige Position einnimmt.

Was willst Du denn sonst über die Unterschiede wissen?

Ich habe die alte Truant-Ausgabe da - die habe ich zwar gelesen, aber nie gespielt. MC3 hingegen fand ich super zu spielleiten. Die Ausgabe ist, aus meiner Sicht, besser als das Original. Die Regeln sind - schon allein durch das Layout - besser präsentiert (auch wenn mir manchmal schleierhaft ist, warum man auf viele der klassischen, alten Farb-Illustrationen verzichtet hat ).

Das Setting ist konzis dargestellt, die Settinggeheimnisse sind für den Spielleiter verständlich. Wie an anderer Stelle schon angemerkt, fehlen viele Setzungen in detaillierter Form (Bevölkerungszahlen, Handelswege etc.).

Zitat von tassander am 20. Oktober 2019, 19:38 Uhr

(auch wenn mir manchmal schleierhaft ist, warum man auf viele der klassischen, alten Farb-Illustrationen verzichtet hat ).

Das könnte an Lizenzproblemen liegen.

Zitat von Zornhau am 20. Oktober 2019, 19:29 Uhr

Was willst Du denn sonst über die Unterschiede wissen?

Allgemein was du (oder auch andere, die die Unterschiede aus eigener Ansicht kennen) als besondere Unterschiede wahrnimmst.

Konkret zum Beispiel, ob und wenn ja wie sich die Charaktererschaffung über die Erweiterungsbände verändert (erweitert). Ins Grundregelwerk hatte ich nach Erscheinen zumindest hineingelesen (Whitestar war mir also in Grundzügen bekannt - Begeisterung hat das bei mir nicht ausgelöst, das erschien mir damals ein wenig worst of both worlds), aber die Art, wie sich in den alten Ausgaben die Charaktererschaffung mit/in jedem Band stark verschoben hat (beinahe getrennte Minispiele mit nur einigen Gemeinsamkeiten), hat bei mir zum Beispiel einen bleibenden (und durchweg positiven) Eindruck hinterlassen.

Auch konkret - ich hatte das Grundregelwerk wirklich nur angelesen: Gibt es wieder eine bebilderte Seite über die Anzugmoden der verschiedenen Megakonzerne? Gibt es da diesmal am Ende gar mehr?

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Zitat von blut_und_glas am 22. Oktober 2019, 5:46 Uhr

Allgemein was du (oder auch andere, die die Unterschiede aus eigener Ansicht kennen) als besondere Unterschiede wahrnimmst.

Mir gefiel ja das Layout der alten Ausgaben besser. Schwarz-Weiß-Illustrationen, die knackig auf den Punkt kamen, dazu ab und an ein paar Farbtafeln mit SEHR farbigen und SEHR drastischen Szenendarstellungen aus dem MC-Setting.

Der Schreibstil im alten MC war auch für das Setting passender. MC3 hat da einen neutralen, faktenorientierten Stil, nur in ein paar Kästen mit Kurz- (oder Kürzest-)Geschichten kommt ein wenig vom alten Flair textuell rüber. Mit gefielen ja im alten MC die Seitenkästen besonders, weil über diese teils längere zusammenhängende Geschichten mitten aus dem prallen Leben im MC-Setting geschildert wurden.

Die neuen Farbillustrationen haben recht unterschiedliche Qualität - manche sind richtig gut (darunter die alten Farbtafeln der alten Ausgaben), manche sind "schwer zu entziffern" in dem, was sie eigentlich abbilden sollen. Viele sind irgendwo dazwischen.

Heutzutage MUSS ja alles farbig sein - für mich nicht, aber Farbe verkauft besser.

Auch konkret - ich hatte das Grundregelwerk wirklich nur angelesen: Gibt es wieder eine bebilderte Seite über die Anzugmoden der verschiedenen Megakonzerne? Gibt es da diesmal am Ende gar mehr?

Gerade hinsichtlich des "Setting-Kolorits" ist MC3 eher dünner und kärger aufgestellt. Es gibt schon einiges, meist aber textuell. Das liegt wohl daran, daß man, wenn man denn schon was illustriert, auf jeden Fall (teurere) Farbillustrationen haben wollte (mußte). Da wäre die eine oder andere schwarz-weiße auch nicht schlecht gewesen.

Das Original-Setting-Kolorit, das im alten MC textuell vorlag, wurde fast komplett übernommen und neues hinzugesponnen. Nur eben rein textuell, nicht mit Illustrationen.

Ein dicker Unterschied: das alte MC spielt nur und ausschließlich zur Zeit der Dunklen Legion, also der Zeit, in der auch das Warzone-Miniaturenspiel angesiedelt ist. MC3 liefert aber eben auch Setting-Beschreibung für die "alte Zeit", die Dark-Symmetry-Ära, sowie für die Dark-Legion-Ära und die noch etwas später angesiedelte Dark-Eden-Ära.

Damit hat man teils für jede Region drei Beschreibungen, je nach Ära, in der man spielen möchte. Das finde ich über weite Teile gelungen.

Einziges Problem, das mich bisher gestört hat: in der Living Mutant Chronicles Campaign von Modiphius hätte man das vielleicht den Entwicklern der Living-Campaign-Szenarien sagen sollen, denn sie siedelten ihre Living Campaign in der Dark-Symmetry-Ära an, kommen aber mit Pregens, die es zu dieser Zeit noch lange nicht hätte geben können (Enlightened Martial Artists der Seven Sages gibt es erst nach der Neronian Heresy, Inquisitoren gibt es erst nach der Konsolidierung der Brotherhood nach dem Tode des ersten Kardinals in diverse Abteilungen, davor gibt es nur niedere Mystiker, usw.).

Auch eine nette Erweiterung: Die Venus-Apokalypse-Kampagne wurde nicht nur erweitert (um einen vierten Teil), sondern auch deutlich ergebnisoffener ausgelegt. Das Original war ja doch SEHR eine Eisenbahnfahrt, die MC3-Venus-Apokalypse ist da zwar auch in weiten Strecken eisenbahnig, aber doch mit mehr Freiheit für unterschiedliche Vorgehensweisen als die in der alten, eher maximal auf Kampf ausgerichteten vorgesehenen Lösungsmöglichkeiten, ausgestattet. Insgesamt war die Venus-Apokalypse-Kampagne nach MC3 ein echtes rollenspielerisches Vergnügen, finde ich.

Die Dark-Symmetry-Kampagne ist jedoch mein persönliches Highlight bei den vorgefertigten MC3 Kampagnen, weil diese so abwechslungsreich ist und man immer wieder Überraschungen erlebt. Eine echt LEGENDÄRE Kampagne, wenn man als SL etwas daraus macht (da es natürlich so oder so immer davon abhängt, wie der SL mit dem präsentierten Material tatsächlich umgeht).

Ich mag ja die neue Gruppierung Whitestar, weil eine karge, alt-kommi Bunkergesellschaft schon ziemlich cool rüberkommt. Diese Gruppierung ist aber frühestens zur Dark-Legion-Ära sinnvoll einzubinden, eher und besser erst mit der Dark-Eden-Ära, da es halt eine auf der Erde (Dark Eden) angesiedelte Bunkerzivilisation ist und niemand vor der Dark-Eden-Ära auch nur einen Grund gehabt hätte auf die verseuchte Erde zu gehen.

Whitestar hat jedoch eine seltsame "Ancients-Connection" verpaßt bekommen, die ich nicht so mag - als ob die Durand-Brüder nicht ausreichten. Man kann das sicher auch ignorieren oder ausblenden in der eigenen Runde, somit ist das nicht kritisch.

Konkret zum Beispiel, ob und wenn ja wie sich die Charaktererschaffung über die Erweiterungsbände verändert (erweitert). Ins Grundregelwerk hatte ich nach Erscheinen zumindest hineingelesen (Whitestar war mir also in Grundzügen bekannt - Begeisterung hat das bei mir nicht ausgelöst, das erschien mir damals ein wenig worst of both worlds), aber die Art, wie sich in den alten Ausgaben die Charaktererschaffung mit/in jedem Band stark verschoben hat (beinahe getrennte Minispiele mit nur einigen Gemeinsamkeiten), hat bei mir zum Beispiel einen bleibenden (und durchweg positiven) Eindruck hinterlassen.

Die Charaktererschaffung nach Grundregelwerk läuft in 8 Schritten:

  1. Attributes
  2. Birth Faction
  3. Status
  4. Environment
  5. Education
  6. Primary Careers
  7. Iconic Careers
  8. Final Customization

In den jeweiligen Gruppierungsquellenbüchern für Bauhaus, Imperial, Cybertronic, etc. werden die einzelnen Schritte mal mehr, mal weniger, ab und an sogar komplett ersetzt durch spezifische, abweichende Schritte (mit anderen Tabellen, anderen Events, etc.).

Das führt dazu, daß man zwar das grobe Grundgerüst der Charaktererschaffung in diesen groben Schritten beibehält, aber trotzdem jede Corporation oder Gruppierung (Cartel, Brotherhood, etc.) sich anders anfühlt und andere Charaktere mit sehr spezifischer, individueller Vorgeschichte liefert.

So ist bei Bauhaus und Imperial die Herkunft, die Häuser, sehr viel wichtiger als die Herkunft bei einem Capitol-Charakter. Daher sind die unterschiedlichen Schritte bei der Charaktererschaffung je nach Bedeutung für die jeweilige Gruppierung teils aufwendiger (Bauhaus-Häuser, Imperial-Clans), teils knapper. Dafür haben andere Gruppierungen andere Laufbahn-Events, Ereignisse, die den Charakter in seiner Vorgeschichte geprägt haben, die sonst niemand haben kann (z.B. Bruderschafts-Mitglieder).

Gerade die Charaktererschaffung ist SEHR ins Setting gebunden, hat VIELE liebevolle Details für jede der Gruppierungen im MC-Setting. Da wurden die feinen Details und die Unterschiede aus den alten MC-Sourcebooks in die neue Lifepath-Charaktererschaffung sehr gut integriert.

Ich empfehle auch jedem Spieler die gruppierungsspezifische Charaktererschaffung zu verwenden, nicht die eher "allgemeine" aus dem Grundbuch. Die funktioniert zwar auch, aber hat nicht diese Detailtiefe der spezifischeren Laufbahn-Erschaffungen.

Auch hier gilt: Es wird unterschieden in welchem der drei Zeitalter, Dark Symmetry, Dark Legion, Dark Eden, gespielt wird.

So gibt es z.B. einiges an Clan-Wirrungen zwischen Dark-Symmetry- und Dark-Legion-Ära bei Imperial. Das wird bei der Charaktererschaffung berücksichtigt.