Disputorium

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Settingentscheidung: Keine Monster ohne neue Monster?

Ich denke gerade wieder ein wenig an einer älteren Spielwelt herum.

Einer ihrer Ursprungsgedanken war der, eine Welt zu beschreiben, in der die Zeit der Monster vorbei ist. Eine Welt in der Zwerge und Elfen keine sterbenden Völker sind, sondern ausgestorbene. Eine Welt in der der letzte Drache schon lange erschlagen ist, der Baum der letzten Dryade längst gefällt, das Hügelgrab des letzten Unholds längst aufgebrochen und geläutert wurde.

Für die Überarbeitung der Welt, frage ich mich nun, ob ich quasi eine Monsterrenaissance einführen möchte. Nicht so sehr eine Wiederkehr nur besiegt geglaubter Wesenheiten, sondern die Entstehung neuer Schrecken (vielleicht ein wenig in einem Frankenstein oder Jekyll and Hyde Sinne, mit nun menschengemachten Monstrositäten [aber eben nicht bloss Menschen als Monstern, sondern entweder von Menschen erschaffenen Monster oder sich in Monster verwandelnden Menschen]).

Die Alternative wäre, den alten Grundsatz beizubehalten und tatsächlich nur Menschen (und ein paar ausgewählte, meist eher gestaltlose übernatürliche Gegner) als mögliche Widersacher zu setzen.

Was hört sich spontan spannender an?

Current thinking of this agency: 10 Ignores

Klingt ein bisschen nach The Witcher, jedenfalls von der Grundprämisse her. Vielleicht helfen Dir folgende Fragen weiter:

  • Wer war hauptsächlich für die Vernichtung der Monster verantwortlich?
  • Was geschah mit den Monsterjägern, als man sie nicht mehr brauchte?
  • Wurden sie vielleicht ähnlich wie die Tempelritter behandelt, oder die Witcher aus den verschiedenen Serien?
  • Sind die Monster wirklich alle ausgelöscht, oder verbergen sie sich an geheimen, entlegenen Orten?
  • Oder formen sie sich unter dem Einfluss bestimmter Energien neu, wie das Blutvergießen auf Schlachtfeldern, dem Licht des Mondes etc.?
  • Gibt es so etwas wie eine Monsteressenz, die nie wirklich weg ist und zu gegebener Zeit in eine Kreatur fahren und diese verwandeln kann?
  • Oder, kann die Essenz beschworen werden, und (da währen wir beim Rennaissance- Gedanken) alchemistische Prozeduren, Beschwörungsformeln lassen sich in alten Grimoires finden?
  • Zu welchem guten oder nützlichen Zweck wurden die Monster ursprünglich erschaffen?
  • Wodurch verdarben sie und mussten vernichtet werden?
  • Was ist aus dem Gleichgewicht, jetzt, nachdem es keine Monster mehr gibt, was sind die ökologischen, wirtschaftlichen, politischen, sozialen, magischen und Übernatürlichen Folgen?
It is by nerdiness alone I set my mind in motion. It is by the roll of dice my thoughts acquire speed; the dice create uncertainty, and uncertainty creates an adventure. It is by nerdiness alone I set my mind in motion.
  • Wer entscheidet, ob jemand ein Monster ist, oder nicht?
  • Könnten sich die angewendeten Kriterien verschieben?

NEUE MONSTER!!!!!!

Auf die Frage, was spontan spannender klingt: Neue Monster.

Einfach, weil die Prämisse aus PC-Sicht ja auch toll ist: "Eigentlich" gibt es keine Monster mehr, die sind schon lange ausgerottet. Trotzdem passieren übernatürliche Dinge...wie kann das sein?

Ob "Weird Science"-Ansatz (extrahierte DNA, Klonen, etc.) oder Magie...definitiv spannend.

Zitat von Der Oger am 12. Januar 2020, 16:59 Uhr

Vielleicht helfen Dir folgende Fragen weiter:

Cool! Danke. Dann einmal der Reihe nach:

Die Vernichtung der Monster geht auf das kollektive Konto "der Menschheit", wobei sich spätere (bis in die Gegenwart der Spielwelt hinein) Herrschaftsansprüche auf (reale oder auch nur angebliche) Vorkämpferschaft in diesen Kriegen gründet.

Die Monsterjäger von einst sind also der Adel von heute.

Tempelritter sind in diesem Zusammenhang allerdings vielleicht kein ganz schlechter Vergleich, sowohl was die Veränderungen nach dem Ende der ursprünglichen Rolle/Aufgabe angeht, als auch das politische/Intrigenelement.

In letzter Lesung sind die Monster sind fast vollständig ausgelöscht. Die wenigen, die es noch gibt, sind aber tatsächlich unfähig noch einmal eine existentielle Bedrohung für die Menschheit darzustellen, vor allem, da sie tatsächlich die letzten ihrer Art sind und nicht mehr die Fähigkeit haben, sich noch fortzupflanzen.

Bisher gab es eine solche Essenz nicht (Ausnahme: es gibt wie gesagt eine quasi gestaltlose Bedrohung, die auch ihre eigenen Monstrositäten hervorbringen kann - die ich aber immer als strikt getrennt von den "alten Monstern" gesehen habe). Sie jetzt einzuführen wäre so etwas, um diese Idee der Monsterrenaissance umzusetzen - wobei ich sie dann wirklich eher als etwas aus dem Menschen geborenes (gewonnenes?) setzen würde, anstatt etwas von den alten Monstern vererbtes/weitergegebenes. Es ist sogar eher so, dass die Unfähigkeit der alten Monster, Menschen in Kopien ihrerselbst zu verwandeln, eins der Themen in der bisherigen Konzeption war - die versuchen das nämlich durchaus, produzieren dabei aber höchstens verstörte Opfer, die vielleicht den einen oder anderen unnatürlichen Kniff erlernen konnten, dafür aber mit ihrer (körperlichen und seelischen) Gesundheit bezahlen mussten.

Der Beschwörungs- und insbesondere auch der Alchemiegedanke wären da viel näher dran, an dem, was mir vorschwebt. Wobei ich das weniger in den alten Grimoires als vielmehr in neuesten Forschungen verorten würde. Wirklich Frankenstein und Jekyll and Hyde, um die noch einmal zu bemühen. Wobei solche Forscher natürlich versuchen könnten, die Fähigkeiten legendärer Monster zu replizieren.

Die alten Monster waren in der bisherigen Form der Spielwelt Teile einer natürlichen Ordnung, Naturgewalten, Naturgeister und -gottheiten. Sie waren immer da und wurden nicht erst zu einem Zweck erschaffen.

Ihre Vernichtung war Teil eines menschlichen Machtstrebens, des Willens sich die Natur untertan zu machen, beziehungsweise die erste Reaktion der alten Monster war das, was eine umso stärkere menschliche Gegenreaktion hervorrief, die vom Überlebenskampf zum Vernichtungskrieg eskalierte.

Die Folge war zunächst einmal ein goldenes Zeitalter für die Menschheit. Ein Heraustreten aus den Schatten unergründlicher Wälder, auf sonnendurchflutete, goldwogende Getreidefelder. Das ist aber auch bereits die Vergangenheit der Spielwelt, die sich jetzt in einem Niedergang befindet, in dem sich eine entfesselte Menschheit mittlerweile selbst zerfleischt. Direkt auf das Fehlen der Monster zurückzuführende Folgen sind vor allem der Wegfall der religiösen Verehrung, die diese Wesenheiten zuvor genossen, beziehungsweise der Hass auf diese alte Religion und ihre Anhänger, politische Umbrüche lassen sich letztlich auch dorthin zurückverfolgen, wenn wir an einen alten Adel denken, der seine Privilegien auf Verdienste aus der Zeit der Monsterkriege gründet. Dass die Welt auch übernatürlich aus den Fugen gerät, hatte ich andererseits bisher nie mit den alten Monstern in Verbindung gebracht - tatsächlich könnte deren Vernichtung aber auch so eine Art Erbsünde sein, die das gerade im Begriff befindliche Ende der Welt überhaupt erst eingeläutet hat. Ich bin mir aber nicht sicher, ob das eine Verknüpfung ist, die wirklich viel hergibt, oder ob ein getrenntes Übel beizubehalten nicht besser wäre.

[edit]Zitat eingefügt.[/edit]

Current thinking of this agency: 10 Ignores
Zitat von tassander am 12. Januar 2020, 17:08 Uhr
  • Wer entscheidet, ob jemand ein Monster ist, oder nicht?
  • Könnten sich die angewendeten Kriterien verschieben?

Also, wenn es nach den Fanatikern irgendwelcher Fiebernden Götter geht, dann bist du vermutlich schon ein Monster, wenn du ein Muttermal an der falschen Stelle hast.

Ansonsten war Monster hier tatsächlich in der breiten rollenspielerischen Bedeutung wie in "Monster Manual" gemeint.

Current thinking of this agency: 10 Ignores

Menschen waren in meinen Runden zudem immer noch die spannendsten Gegner, die den Spielern den höchsten Respekt abgezollt haben. Ihre Aktionen (Intrigen, Listen, ...) sind unberechenbar, ihre Stärken schwer abschätzbar. Monster werden von Spielern demgegenüber zumeist in klassifizierte Fähigkeiten und Trefferwürfel sortiert und locken keinen mehr wirklich hinterm Ofen hervor ... man sieht das eher sportlich. Allerdings wird eine Beschränkung alleine auf Menschen als Gegner ggf. etwas eintönig.

Eher langweilig fände ich es jedoch, die klassischen Monster erst völlig aus dem Setting zu entfernen, nur um sie dann in neuer Gestalt mit neuen Namen wiedererstehen zu lassen. Dann ist man wieder dort, von wo man eigentlich weg wollte. Man hat nur neue Monsternamen und mit hinreichender Phantasie neue Wesen. Aber man hat letztendlich wieder ein klassisches Fantasy-Setting. Das fände ich kontraproduktiv und weniger spannend als z.B. das Auftreten unerklärlicher Wesen in einem historischen / quasihistorischen Setting.

Ich stelle mir also die Frage, ob sich Dein Konzept nicht durch die Einführung neuer Monster "selbst auffrisst", weil die neuen Monster damit wieder eine Legitimation für die herrschende Klasse darstellt? Die bösen Ordensritter haben dann wieder eine Aufgabe zu erfüllen, die Bevölkerung wird sich im Zweifel hinter sie scharen ...

Welchen Gewinn und welche Begründung sollen neuen Monster also für Dein ganz spezielles Setting leisten? Das ist die Kernfrage, die sich mir gerade stellt und die ich mir auch als Spieler stellen würde.

Wenn die Historie Deiner Welt ein klassisches Fantasy-Setting gewesen ist, in dem insbesondere Religionen eine tragende Rolle gespielt haben (was ich mag), dann würden mir als Spieler / Leser jetzt folgende Gedanken kommen:

Was wurde aus den Göttern, die von den Monstern verehrt wurden oder diese Kreaturen jedenfalls erschaffen haben? Wurden diese Götter auch vernichtet oder existieren sie noch in einem Schattendasein?

Wollen sich diese chaotischen Götter einen Platz in der Welt zurückerobern, sich gar an den Göttern der Ordnung rächen, z.B. indem sie deren Werkzeuge (die Menschen) verändern oder vernichten? Was war das ursprüngliches Motiv dieser Götter, die früheren Monsterrassen zu erschaffen, das bis in die Gegenwart als ein übergeordnetes Ziel fortdauern könnte? Kann ein Perspektivwechsel diesem Motiv einen berechtigten Platz einräumen, der zwar für die Menschen auf den ersten Blick "schlecht", aber aus einer anderen Perspektive betrachtet positiv sein könnte?

Haben die alten Götter noch die Kraft (ggf. über lange Zeit gehortet), wenige neue Monster zu erschaffen? Diese müssen dann an die neuen Gegebenheiten angepasst sein, d.h. sie müssten unter den Menschen möglichst unauffällig, kaum sichtbar sein, denn Völker wie Orks oder Goblins können im Umfeld der übermächtigen menschlichen Kulturen nicht gedeihen. Um die Götter der (neuen) Ordnung schwächen zu können, müssen die neuen Monster die die Menschen also eher veranlassen, ihre Kräfte gegen sich selbst zu richten, sie müssen Verführer und Blender sein. Physische Parasiten, die Krankheiten übertragen, oder Geisterwesen / Dämonen, die von den körperlichen Hüllen der Menschen Besitz ergreifen, ggf. von einem Wirt zum nächsten wechseln können, um auf diese Weise kaum auffindbar zu sein. Drogen mit langfristig zerstörerischen Wirkungen könnten auch ein Instrument sein, derer sie sich bedienen. Sie könnten auch Umweltbedingungen herstellen, an die sich chaotische Wesen - weil wandlungsfähiger - besser anpassen können, als strengen Regeln folgende Wesen.

Wenn die siegreichen Orden der Menschen wegen ihrer Machtausübung von der Bevölkerung abgelehnt werden, sind die Menschen dann für die Einflüsterungen der alten chaotischen Götter empfänglich?

Schwindet mit den Monstern, Elfen und Zwergen eine Essenz der Welt - z.B. die Magie - oder die Natur leidet unter dem Verschwinden der Naturgeister, wodurch die Welt selbst zu sterben beginnt, quasie aus dem Gleichgewicht geraten in einem teologischen Extrem seine finale Erfüllung zu finden droht ... für die siegreichen Götter ein kleiner Etappensieg in einer kosmischen Schlacht unzählbarer Welten, für die Bewohner dieser Welt ein Inferno (Jüngster Tag), dem sich die Menschen entgegenzustellen beginnen, mithin z.B. die verbliebenen Monster verbergen und züchten?

Findet eine Verklärung des vergangenen Zeitalters in der Erinnerung des einfachen Volkes statt, in der die Tempelritter die Untiere und die 'Monster' oder zumindest ein Teil von Ihnen (zu Unrecht) verfolgte Rassen werden?

Lassen sich einzelne Völker / Bevölkerungsgruppen von den alten Göttern gewinnen, so dass sie zu heidnischen / blutigen / finsteren Ritualen zurückkehren und damit - aus Sicht der herrschenden Schicht - die Position der Monster einnehmen (Verfolgung, Völkermord, Inquisition, ...)?

Neue Monster sind grundsätzlich nett, aber sie einfach nur in Dein Setting zu setzten würde nach meinem Eindruck zerstören, was Du hier - in wenigen, sicher nur sehr unvollständig beschreibenden Worten - als die Besonderheit / Kernmerkmal Deiner Weltenschöpfung herausgestellt hast. Da müsste für mich ein ganz besonderer, plausibler Hintergrund dazukommen (der sich den Spielern nicht unbedingt sofort erschließen muss), damit neue Monster in Deinem Setting für mich ein Gewinn wären. Gelingt das nicht, sollte man sich die eigenen neuen Monsterkreationen eher für ein Fantasy-Setting aufbewahren.

All dead! All dead!

Es gibt die neuen Monster... und wir brauchen die alten Monster, um mit ihnen fertig zu werden. Warum, warum nur haben wir die alten Monster fast ausgerottet?

Punch it, 中尉!