Disputorium

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Zock Bock Radio: Episode 4

Hat denn jemand eigentlich ne gute dt. Variant für "from whole cloth"? Und hat die dann in die Welt geschrien, als wir zu doof waren, die zu finden?

Kraft seiner Wassersuppe?

Ansonsten, lieber Set, wird doch bei dieser Folge noch mehr als vorher klar, dass du die Welt einfach mit recht anderen Augen siehst als die meisten anderen Leute. Du bist ein Rollenspieler, der Fantasy-Romane doof findet, Heavy Metal doof findet, und Bergpanoramas doof findet. Letzteres noch mal eine neue Dimension, ich glaube, ich kenne sonst überhaupt niemanden, der das so sieht. Ich verstehe deine Frustration aber je nun, die meisten Rollenspieler finden diese Sachen halt gut. Es beschleicht mich immer mehr der Verdacht, dass die meisten Kontroversen sich eigentlich darauf reduzieren. Das, und die berechtigte Klassismus-Kritik, bei der ich verstehen kann, dass du aus deiner Warte da eine Verknüpfung zu den vorgenannten Punkten suchst, im Sinne von Spießigkeit (dein meckernder Jack-Wolfskin-Opa), ist verlockend aber ich glaube zu einfach gedacht.

Ohne dir zu nahe treten zu wollen glaube ich, dass es lohnen könnte, gelegentlich zu überlegen, ob die geheime WhatsApp-Gruppe vielleicht gar nicht eine der deutschen Mittelschicht-Spießer ist in allen Fällen, sondern eher eine der neurotypischen Gehirne?

Ich verstehe den Appelteil Deiner Botschaft nicht, was soll ich nun tun?

Konkret ist das ein Denkanstoß / eine Perspektive, offenbar keine abwegige.

Ansonsten bringt es glaube ich recht wenig, darüber zu diskutieren, was ich meine, was du tun oder lassen solltest. Ich habe den Eindruck, du weißt manchmal selber nicht so genau, was du willst: Du beklagst dich über Ausgrenzung aber sagst gleichzeitig, was die machen, findest du eh doof. Manchmal glaube ich, du willst eingeladen werden, damit du die Einladung dann zerreißen kannst, ha! Ich kann dir da nicht helfen.

Zitat von Lord Verminaard am 29. August 2020, 9:04 Uhr

Konkret ist das ein Denkanstoß / eine Perspektive, offenbar keine abwegige.

Ich bin mir unsicher, ob Neurodiversität etc. hier ein hilfreiches Erklärungsmuster ist. Vor allem, wenn es um die Frage geht, ob einen Gebirge langweilen oder nicht. 😀

Das Bild vom Kartoffelfunk ist der Versuch einer strukturellen Erklärung für ein Phänomen oder eher eine Verwunderung: Warum findet meine verneintliche peer group etwas toll, das ich nicht toll finde? Ich vermute Settembrini nimmt nicht die Existenz einer tatsächlichen WhatsApp Gruppe an. Das jetzt für den Ausdruck eines biologischen Phänomens zu halten, ist eine andere Betrachtungsebene, ein anderer Maßstab. Und schon gar nicht ist es eine endgültige Erklärung. Gibt bestimmt ganz viele neurodiverse Menschen, die gerne ins Mittelgebirge reisen. 🙂

"If people seem slightly stupid, they’re probably just stupid. But if they seem colossally and inexplicably stupid, you probably differ in some kind of basic assumption so fundamental that you didn’t realize you were assuming it, and should poke at the issue until you figure it out." - Scott Alexander

@Hasran: Ich fand es halt, da ich mich gerade aus meinen eigenen Gründen mit Neurodiversität beschäftige, sehr auffällig, sowohl das Bild von "Türmen von Silikaten" als auch Ausdrücke wie "das Memo nicht bekommen" oder der "unausgesprochene Code" fallen in dem Zusammenhang halt ganz oft.

Auf der anderen Seite vermute ich, dass westdeutsches Mittelschicht-Spießertum keine hinreichende Erklärung für "Mittelgebirge toll finden" ist. Unbenommen bleibt, dass Karl May und Aventurien da natürlich Schnittmengen haben. Ich wollte nur davor warnen, es ausschließlich als Klassen-Thema bzw. kulturelles Thema zu framen mit der deutschen Romantik als Wurzel allen Übels. Das meinte ich mit verlockend: Das ist halt, ach wie heißt diese Bias noch mal, die Muster sieht, wo keine sind? Weißt schon.

Also autistisch ist der Settembrini nicht, dafür interagiert er zu gern und zu gut verbal. Ein Autist würde einen Podcast wohl nicht als Dialog beginnen. Neurodivers ist übrigens ein unpassender begriff, wir reden hier ja nicht über ADHS oder legasthenie. Der Zeal, mit dem er die Rollenspieler angeht, sieht auf den ersten Blick autistisch aus, ist es aber auch nicht. Ein Autist würde nicht so stark auf eine Subgruppe fixieren, weil er Probleme mit der Gesamtrestmenschheit hat. Würde ich jetzt mal so als Psychologe mit dem Schwerpunkt neurodiversität behaupten, kann im Einzelfall bei sehr schwacher Ausprägung als identitätsfindung theoretisch auftreten, gesehen hätt ichs noch nicht.

Er versucht ja auch nicht, zu verstehen. Das würde ein Autist immer primär tun, in dem Altern zumindest. Settembrini versucht, zu überzeugen. Die verwendung vom "unausgesprochenem Code" muss ich mit aber mal anhören. Wann kommt die denn?

Insgesamt ist es aber ein durchaus interessanter Ansatz, weil DSA im grunde in Geschichten denkt, und diese in den Vordergrund setzt. Es geht um Symbole, und Autisten haben weder viel Verständnis für Symbole noch für Geschichten, ganz besonders nicht als Muster für soziale Interaktion.

Settembrini zelebriert die Aussenseiter, nein, die Rebellenrolle. Warum er das tut, kann ich nicht sagen. Ich behaupte aber mal, das ein Autist ob der Zwecklosigkeit dieses Tuns inzwischen aufgegeben hätte.

 

Danke für deine Perspektive, Erik! Mir ging es hier gar nicht um Ferndiagnosen oder gar darum, jemand zu outen oder so, Set hat ja seine Hochbegabung an anderer Stelle selbst schon öffentlich erwähnt, sonst hätte ich auch nichts gesagt. Ich glaube, Hochbegabung wird üblicherweise auch unter Neurodiversität subsumiert?

Nicht wirklich. Hochbegabte haben üblicherweise auch keine substanziell abweichenden verhaltensmuster, keine interaktionsprobleme, und damit keinen grund zur rebellion.

 

Ah so, Rebellionen brauchen individualpsychologische Gründe? Ah ja.

Ich dachte immer, die brauchen Mißstände & Machtmißbrauch.

Perfide, perfide.