Disputorium

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Zock-Böcke tanzen widerwillig nach Eurer Pfeife oder Themenvorschläge für das ZBR

Wir sprechen ganz konkret über King. Und jemanden, der da Revisionismus betreibt. Ich glaube das ist da ganz wichtig.

Die kenne ich tatsächlich ,habe mir auch die jeweiligen meinungen angehört, und bin auch für mich zu einem Punkt gekommen, wo ich grob sagen kann, was passiert ist. Das werd ich aber hier nicht durchdiskutieren, weil gegen die mehrheit anreden, das hab ich im tanelorn gelernt, das mir das wenig Spaß macht.

Zitat von Elegod am 17. September 2020, 19:21 Uhr

Womit wir eigentlich schon im Thema wären: Wieviel Politik (v)erträgt Rollenspiel?

Ich fände es spannend, wenn das einmal in sachlicher Form auf eine abstraktere Ebene gehoben werden könnte.

Zu der Frage habe ich mein Stück ja schon aufgesagt. Für mich stand der Podcast unter dem Zeichen genau jener Frage, die du formulierst, wenn auch erst post-hoc und aus dem Gespräch heraus. EDIT: Gemeint ist der Pondsmith Podcast.

Es stimmt natürlich, dass die Gesprächsteilnehmer nur begrenzt kontrovers agieren, weil sie meist versuchen zusammen Gedanken zu entwickeln. Auch antithetisch zueinander, aber nicht ausschließlich. Es wäre natürlich immer interessant mit Personen zu diskutieren, die zu konträren Ergebnissen kommen bei ähnlichem gedanklichem "Prozess". Aber wie finde ich solche Menschen?

"If people seem slightly stupid, they’re probably just stupid. But if they seem colossally and inexplicably stupid, you probably differ in some kind of basic assumption so fundamental that you didn’t realize you were assuming it, and should poke at the issue until you figure it out." - Scott Alexander

Nun, es gibt ja diverse Personen, die im Tanelorn herumlaufen, die für Uhrwerk oder System Matters als Übersetzer arbeiten und die es z.B. offenbar für wichtig halten, bei den Übersetzungen durch sog. genderneutrale Sprache ein Zeichen zu setzen. Oder die Redaktion von FHTAGN, da sind doch vernünftige, umgängliche Menschen drunter. Oder Feder & Schwert hatte ja auch eine zunehmend politische Ausrichtung.

Ich würde wirklich gerne nachvollziehen können, was diese Rollenspieler zu der Überzeugung gebracht hat, es sei unbedingt notwendig, auch noch RPG-Publikationen zur Plattform für realpolitische Bekenntnisse zu machen, auch wenn man infolgedessen ggf. viele Spieler nicht mehr mit dem Spiel erreicht, auch wenn man ggf. Menschen damit so lange und penetrant nervt, bis diese in eine generelle Abwehr-/Antihaltung verfallen und damit gerade das Gegenteil des beabsichtigten Effektes eintritt. Ich habe den Eindruck, ErikErikson könnte ein Beispiel sein, zu was das führt. Und auch wenn ich hinsichtlich der "aktuellen Ereignisse" mit ihm vermutlich konträre Ansichten habe, kann ich seine Abneigung gegen politische Aussagen im Rollenspielbereicht gut nachvollziehen. Dass man inzwischen Abschaltet / das RPG-Buch weglegt / ein Forum meidet / einen Rollenspielblog ignoriert, wenn man sich wieder einmal "belehrt" fühlt. Man kauft ein Regelwerk und hat das Gefühl eine Propagandaschrift im Tarnmäntelchen eines Spiels zu erhalten.

Man muss und sollte ja nicht gleich einen Tanelorn-Gatekeeper nehmen; das ließe keine konstruktive Diskussion erwarten. Was ich mir ehrlich gesagt wünschen würde, wäre mal wieder etwas Bewegung aufeinander zu, also das Gegenteil von der (Außen-)Wirkung des Tanelorn, die (exemplarisch) die vielbeschworene Community - wenn es eine solche denn je gegeben hat -  zunehmend mit breiten Gräben spaltet. Dieser Wunsch beinhaltet selbstredend auch bei mir eine Bereitschaft, sich überzeugen zu lassen.

Nochmal klarstellend: Mir geht es nicht so sehr um die einzelnen politischen Ziele, wie im oben genannten Beispiel die (vermeintliche) Notwendigungkeit, unsere Sprache zu verändern, oder die (vermeintliche) Notwendigkeit, Asiaten/Angehörige indigener Völker/Hautfarben/Geschlechter/sexuelle Orientierungen etc. in PnP-Abenteuer einzubauen, nicht weil dies dem konkreten Abenteuer nutzten würde oder gar plausibel erklärbar ist, sondern nur damit sie auch dort zur Verwirklichung einer realpolitischen Agenda in Erscheinung treten. Mir geht es mehr um die Frage, warum muss/sollte das PnP in dieser - von mir und offenbar vielen anderen als penetrant empfundener - Form zum Austragungsort für realpolitische Auseinandersetzungen der Gegenwart gemacht werden, auch wenn Setting / Abenteuer dafür keinerlei Anhaltspunkt bieten. Nach meinem Gefühl steht diese Entwicklung einem Meinungsaustausch am Spieltisch oder an dessen Rande eher entgegen, der Leute auch wieder kompromissbereiter machen könnte. Früher ist man sich erst einmal als Spieler begegnet, wohingegen man heute die politische Überzeugung als Fahne vor sich her trägt, ggf. schon am bespielten System ablesbar, damit man bloß garnicht erst in Kontakt mit den "fiesen Jungs" kommt, die anders denken. Ich habe den Eindruck, es wird in den letzten Jahren das Haar in der Suppe mit unglaublicher Akribie gesucht, um ja jedem Verlag, jedem Autor, jedem RPG einen Stempel der Unmoral aufdrücken zu können, möglichst noch in Sippenhaft.

Warum scheint die Bereitschaft verloren gegangen zu sein, ein Spiel einfach als das zu sehen, was es sein soll: ein unterhaltsamer Zeitvertreib? (Von speziellen "politischen" Settings abgesehen) zunächst einmal ohne politische Ambitionen, ohne das Selbstverständnis, die reale Welt verbessern zu wollen, ohne die Spieler in eine andere Schublade als die der PnP-Begeisterten zu stecken? Oder schaue ich einfach nur an die falschen Stellen und mein Eindruck einer zunehmenden Politisierung und damit einhergehenden Spaltung ist unrichtig?

All dead! All dead!

Ich glaube wirklich, ihr bellt den falschen Baum an. Ich weiß, Elegod, Dir geht es darum, dass das Thema für dich als podcast interessant wäre.

Aber was den podcast angeht: da war bisher nur dann tagespolitisches drin, als es um ein dezidiert politisches Spiel ging (Cyberpunk).

Ich gönne jedem seinen Eskapismus, aber wer sich mit Cyberpunk beschäftigt, der muss damit rechnen, dass Politik um die Ecke kommt.

Wer sich mit SF beschäftigt, die irgendwie ernsthaft ist, auch. Verstehe ja, @ErikErikson, wenn das nerven sollte. Dann halt Finger weg vom Genre. SF und Cyberpunk sind Reaktionen auf wahrgenommene gesellschaftliche Trends. Das macht sie politisch.

Eis ist ein Unterschied, ob ein politisches thema aufgegriffen wird, oder ob dir gesagt wird "So isses ,leute! Hier sind die Bösen, da sind die Guten".

Star trek Second Generation z.B. hat häufig politische Themen aufgegriffen, und war dabei klar links. Es hat die gegenseite aber nicht verteufelt, sondern die Sache von allen Seiten beleuchtet, und man konnte auch bei den "Bösen" oft sagen: ja, die haben schon irgendwie auch ihren Punkt. Das fand ich gut.

Ich finde es notwendig, Meinungen klar zu vertreten, und nicht aus falsch verstandener Toleranz immer den Zusatz zu bringen: "irgendwie haben die anderen auch recht".

Das ist kein guter Diskurs, dann, das ist feige und wird gemacht, wenn man sich seiner Fakten und der darauf entwickelten Meinung nicht sicher ist.

Es ist übrigens auch falsch: die anderen haben nicht immer recht. Es gibt Wahrheiten. Nicht alles ist beliebig und verhandelbar. Aber das ist die postmoderne Krankheit.

Wer nichts weiß und an nichts glaubt - warum sollte der diskutieren?

Zitat von tassander am 18. September 2020, 7:50 Uhr

Ich glaube wirklich, ihr bellt den falschen Baum an. Ich weiß, Elegod, Dir geht es darum, dass das Thema für dich als podcast interessant wäre.

Aber was den podcast angeht: da war bisher nur dann tagespolitisches drin, als es um ein dezidiert politisches Spiel ging (Cyberpunk).

Ich gönne jedem seinen Eskapismus, aber wer sich mit Cyberpunk beschäftigt, der muss damit rechnen, dass Politik um die Ecke kommt.

Wer sich mit SF beschäftigt, die irgendwie ernsthaft ist, auch. Verstehe ja, @ErikErikson, wenn das nerven sollte. Dann halt Finger weg vom Genre. SF und Cyberpunk sind Reaktionen auf wahrgenommene gesellschaftliche Trends. Das macht sie politisch.

Ich bin 100%ig bei Dir! Und Du hast mich richtig verstanden: ich belle garnicht.

Am Anfang der dritten Episode unterhalten sich Settembrini und Kirilow über die Beurteilung von Tolkiens Werken und das Recht auf Eskapismus (salopp ausgedrückt). Das ist mir so dermaßen aus der Seele gesprochen!!! Ich glaube mit all der aufgedrängten Tagespolitik und dem ganzen Moralisieren in neueren Rollenspielveröffentlichungen wird für Spieler wie mich PnP in einer hemmungslosen Weise "entzaubert". Und das ist ungemein frustrierend. Das ist wie ein Stacheldrahtzaun vor der Grenze zur Phantasie. Eskapismus im Keim erstickt. Jede Lust am Spielen hinweggefegt, bevor man überhaupt eine Testrunde startet.

Je länger diese Tendenz im Rollenspielbereich anhält und je mehr die Verlage sich dem entsprechenden Druck beugen oder selber zu Überzeugungstätern werden (?), desto mehr empfinde ich diese Entwicklung als rüde, besserwisserisch und respektlos. Vielleicht ja zu Unrecht, denn mir ist natürlich auch klar, dass das nicht das Ziel der betreffenden Autoren / Übersetzer / Verlage ist. Aber es wirkt auf mich rüpelhaft und unbedacht, wobei die Kreuzritter dieser Missionen (wie man sie z.B. im Tanelorn oder in manchen Blogs antrifft) gerade für sich in Anspruch nehmen, besonders emphatisch zu sein. Genau das Gegenteil sagt mir mein Empfinden.

Ich würde wirklich gerne verstehen, wie so eine Dynamik entsteht und wo sie hinführen wird. Waren die heute politisch wirkenden Personen einmal "normale" Rollenspieler, die die Realpolitik für sich entdeckt und das vollkommene Abtauchen in Traumwelten verlernt haben? Oder sind das umgekehrt Menschen, denen es um Beeinflussung geht und die den Rollenspielsektor dafür kapern, ohne Rücksicht auf Verluste? Mir fehlt einfach der Zugang zu deren Denke.

Natürlich kann man auch resignieren, zum DMG (z.B.) greifen und dem aktuellen Rollenspielgeschehen den Rücken kehren. Darauf läuft es wohl für viele hinaus.

All dead! All dead!
Zitat von Elegod am 18. September 2020, 17:47 Uhr
Zitat von tassander am 18. September 2020, 7:50 Uhr

Ich glaube wirklich, ihr bellt den falschen Baum an. Ich weiß, Elegod, Dir geht es darum, dass das Thema für dich als podcast interessant wäre.

Aber was den podcast angeht: da war bisher nur dann tagespolitisches drin, als es um ein dezidiert politisches Spiel ging (Cyberpunk).

Ich gönne jedem seinen Eskapismus, aber wer sich mit Cyberpunk beschäftigt, der muss damit rechnen, dass Politik um die Ecke kommt.

Wer sich mit SF beschäftigt, die irgendwie ernsthaft ist, auch. Verstehe ja, @ErikErikson, wenn das nerven sollte. Dann halt Finger weg vom Genre. SF und Cyberpunk sind Reaktionen auf wahrgenommene gesellschaftliche Trends. Das macht sie politisch.

Ich bin 100%ig bei Dir! Und Du hast mich richtig verstanden: ich belle garnicht.

Am Anfang der dritten Episode unterhalten sich Settembrini und Kirilow über die Beurteilung von Tolkiens Werken und das Recht auf Eskapismus (salopp ausgedrückt). Das ist mir so dermaßen aus der Seele gesprochen!!! Ich glaube mit all der aufgedrängten Tagespolitik und dem ganzen Moralisieren in neueren Rollenspielveröffentlichungen wird für Spieler wie mich PnP in einer hemmungslosen Weise "entzaubert". Und das ist ungemein frustrierend. Das ist wie ein Stacheldrahtzaun vor der Grenze zur Phantasie. Eskapismus im Keim erstickt. Jede Lust am Spielen hinweggefegt, bevor man überhaupt eine Testrunde startet.

Je länger diese Tendenz im Rollenspielbereich anhält und je mehr die Verlage sich dem entsprechenden Druck beugen oder selber zu Überzeugungstätern werden (?), desto mehr empfinde ich diese Entwicklung als rüde, besserwisserisch und respektlos. Vielleicht ja zu Unrecht, denn mir ist natürlich auch klar, dass das nicht das Ziel der betreffenden Autoren / Übersetzer / Verlage ist. Aber es wirkt auf mich rüpelhaft und unbedacht, wobei die Kreuzritter dieser Missionen (wie man sie z.B. im Tanelorn oder in manchen Blogs antrifft) gerade für sich in Anspruch nehmen, besonders emphatisch zu sein. Genau das Gegenteil sagt mir mein Empfinden.

Ich würde wirklich gerne verstehen, wie so eine Dynamik entsteht und wo sie hinführen wird. Waren die heute politisch wirkenden Personen einmal "normale" Rollenspieler, die die Realpolitik für sich entdeckt und das vollkommene Abtauchen in Traumwelten verlernt haben? Oder sind das umgekehrt Menschen, denen es um Beeinflussung geht und die den Rollenspielsektor dafür kapern, ohne Rücksicht auf Verluste? Mir fehlt einfach der Zugang zu deren Denke.

Natürlich kann man auch resignieren, zum DMG (z.B.) greifen und dem aktuellen Rollenspielgeschehen den Rücken kehren. Darauf läuft es wohl für viele hinaus.

Der Griff zum DMG erfolgt nicht aus Resignation, sondern mit Gusto!

"If people seem slightly stupid, they’re probably just stupid. But if they seem colossally and inexplicably stupid, you probably differ in some kind of basic assumption so fundamental that you didn’t realize you were assuming it, and should poke at the issue until you figure it out." - Scott Alexander