Disputorium

Bitte oder Registrieren, um Beiträge und Themen zu erstellen.

World-Telling, Story-Building ?

Mhaire und Till haben es sich in diesem 30-min. Video maximal schwierig gemacht, um aus dem Stehgreif Zuschauer in World-Building einzuführen. So lernt die Orkenspalter Community ab nun World-Building.

Die Quintessenz des Videos war m.E: "Man hat so eine Idee und dann fängt man irgendwie mit einer Sache an und dann weitet man das so aus."

Fande ich nun nicht sehr aussagekräftig oder inhaltlich dicht, aber villeicht habe ich auch essentielle Infos verpasst, weil ich etwas tiefer in der Materie stecke. Till scheint technisch schon was beitragen zu können, aber das Video lässt leider kaum Raum dazu.

Dinge, die mich befremdet haben:

  • Die Welt passend zur gewünschten Geschichte oder Person gestalten.
  • Film, Buch und RPG scheinen in Bezug auf World-Building als Synonym verwendet zu werden.
  • In Forbidden Lands wurden jetzt Zufallstabellen gesichtet, aus denen man - jetzt kommt's - mit Zufall Spielweltelemente generieren kann. Randomisierung sage ich. Da war ich dann ganz ehrlich ein bisschen sprachlos.

Das Orkenspalter zwischen den Dutzend eigenen Links nichtmal einen Link zu ihrem .. Geschäftspartner der Dungeonfog in der Beschreibung setzen, ist auch weird.

Auch wenn viele Worte und wenig Inhalt gegeben werden, fande ich es unterhaltsam. Das Video eignet sich übrigens perfekt als Trink-Spiel. Jedes mal bei den Worten "Geschichte", "Erzählen" und "Storytelling" einen heben.

Sie sind blinde Führer von Blinden. Wenn aber ein Blinder einen Blinden führt, so werden beide in die Grube fallen.

Weniger fromm: gäbe es, meint ihr, Interesse an Videos über Kampagnenvorbereitung und Weltenbau, im Stil von Settembrinis AD&D-Erklärvideo (also: Sprache, Bilder, Webseiten, keine Gesichter)?

In jedem Fall habe ich Interesse, sowas zu schauen 😉 Aus Interesse kam ich ja auch zu obigem Video. Allerdings gibt (gab) es ganze Foren, Youtube-channels und natürlich Bücher über das Thema, man muss sich also spezialisieren bzw. man muss den Kern herausarbeiten. Es ist vielleicht nützlich, ein Video über Geographie zu machen, aber das ist ja nicht der Kern von World-Building.

Zitat von BoyScout am 6. Februar 2020, 20:08 Uhr

Dinge, die mich befremdet haben:

  • Die Welt passend zur gewünschten Geschichte oder Person gestalten.

Manchmal hab ich eine Idee für ein Szenario, und dann schau ich halt, wo ich das verorten kann. Und wenn mir weder in der realen Geschichte noch in einem "meiner" Settings etwas passendes einfällt, dann bau ich auch schonmal eine Welt um dieses Szenario herum.

Zitat von BoyScout am 6. Februar 2020, 20:46 Uhr

In jedem Fall habe ich Interesse, sowas zu schauen 😉 Aus Interesse kam ich ja auch zu obigem Video. Allerdings gibt (gab) es ganze Foren, Youtube-channels und natürlich Bücher über das Thema, man muss sich also spezialisieren bzw. man muss den Kern herausarbeiten. Es ist vielleicht nützlich, ein Video über Geographie zu machen, aber das ist ja nicht der Kern von World-Building.

Wie viele dieser Videos sind jedoch auf deutsch?

"If people seem slightly stupid, they’re probably just stupid. But if they seem colossally and inexplicably stupid, you probably differ in some kind of basic assumption so fundamental that you didn’t realize you were assuming it, and should poke at the issue until you figure it out." - Scott Alexander

also falls mal jemand mit den Orkenspaltern ein Video zu nem RPG Thema machen will, könnte ich ggf. den Kontakt herstellen 😉

Für meine Welt habe ich auch erst eine Idee gehabt, was für "Geschichten ich erzählen möchte" (= was Themen für Abenteuer und Kampagnen sein sollen, z. B. Rassismus, religiöser Fundamentalismus, terroristische Anschläge, sozialer Wandel usw.) und dann angefangen, die Welt passend dazu zu bauen. Keine Ahnung, warum das befremdlich ist.

Schlecht finde ich an dem Video (abgesehen davon, dass es zu 90% Geschwafel ist), dass die sich widersprechen. Erst erklären die, dass es ja darum geht, eine Welt zu erschaffen, wenn man eine Geschichte erzählen möchte und die dazu dient. Dann wird aber erklärt, dass man eine Welt erschaffen möchte, wenn sie etwas besonderes sein soll, z. B. eine Scheibenwelt. Also statt Geschichten geht es doch auf einmal um die Welt selbst und was sie von anderen Welten abhebt. Oder ist "ich will Fantasy, aber auf einer Scheibenwelt" schon eine Geschichte? Dann wäre ich wieder bei meiner These, dass Rollenspiel (speziell Fantasy) an sich erstmal der Bodensatz der Kreativität ist. (Polemisch ausgedrückt - es gibt natürlich noch viel schlimmeres.)

Verbotene Lande ist m. E. KEIN World-Building-System. Im besten Fall werden damit Kampagnen-Details festgelegt und ein wenig Variation hineingebracht.

An sich war das Video nur eine Einführung. Ich habe rausgenommen:

  1. Man sollte seine Ergebnisse festhalten. (Wäre ich nicht drauf gekommen.)
  2. Man braucht eine Idee. (Danke für den Tipp.)
  3. Man arbeitet sich von Detail zu Detail, sollte aber das große ganze nicht aus den Augen verlieren. (Also wie bei jeder kreativen Arbeit?)

 

Was mir fehlte:

  1. Hinweis darauf, dass es Werkzeuge und Tools gibt (über die Eigenwerbung hinaus)
  2. Hinweis auf die Geschichte des World-Buildings, markante Beispiele usw. (für Mainstream-TV wäre doch Herr der Ringe die GENIALE Vorlage gewesen um zu zeigen, wie World-Building funktionieren kann, und könnte das mit dem Netflix-Film Bright kontrastieren).
  3. Hinweise auf eine größere Planung.
  4. Arbeitsweisen und -verfahren.

Echte, praktische, nützliche Tipps hat es noch nicht gegeben, aber das war bisher ja nur eine Einführung. Man kann ganze Videos z. B. nur darüber machen, wie man Informationen festhält und welche Datenbank-Systeme dazu nützlich sind. Zum Beispiel kann man wissenschaftliche Zitiersoftware wie Citavi verwenden, ein "Projekt" zu erstellen, indem man die verschiedenen Informationen und Details verwaltet, kategorisiert usw. Bestimmt gibt es noch bessere Projektsoftware für so etwas. Oder ein Video, wie man Top-Down und Bottom-Up verbindet (die Begriffe kamen noch gar nicht vor - wie ich Orkenspalter einschätze, werden die ein Video machen, wo die ein Schwafel-Video machen wo die beides vergleichen und am Ende eh nur rauskommt, dass beides ok ist, wie man möchte). Mal sehen, wie die Reihe weiter geht, vielleicht wird's ja besser. Ich habe von Mhaire genau EIN Video gesehen, das ich wirklich gut finde, da hatte die mal erklärt, wie sie nicht für die Kamera vorbereitet und leitet, sondern für ihre eigene Spielrunde. Und das hörte sich echt vernünftig an. Ich glaube schon, dass die "eigentlich" eine ganz normale und fähige Spielerin und Spielleiterin ist. Vieles ist einfach für die Kamera aufbereitet, geschönt usw.

Diese Videos sollen ja immer auch unterhaltsam sein, das ist ja eher Infotainment als etwa vergleichbar mit einem akademischen Seminar oder Vortrag. Unterhaltsam ist es ja, also nicht mega spannend, aber man kann das ja schon so vor sich hinlaufen lassen und mit halbem Ohr hinhören, wenn man andere Sachen macht. Und man muss ja auch das Publikum bedenken, das sind ja nicht du und ich, BoyScout, das ist doch ein ganz anderes Klientel.

Wie oben schon erwähnt muss man auch bedenken, dass wahrscheinlich für einen Gros der deutschen Rollenspieler*innen englisches Material auch einfach wegfällt.

Mich würden tiefgehende, gut gemachte, deutsche Videos zu World-Building schon interessieren. Gesichter brauche ich dazu nicht, finde ich auch unwichtig - liegt vielleicht am akademischen Hintergrund, da sieht man die Gesichter zu den Büchern und Artikeln ja in der Regel auch nur auf Konferenzen.

P.S. Der Link zu Dungeonfog ist versteckt, der ist nicht als Link gekennzeichnet mitten in dem Beschreibungstext des Videos und nicht noch mal unten in der Liste. Übersieht man sehr schnell.

@Der Narr:

stimme dir bei allem zu, habe die Punkte aber auch so bedacht. Mir ist bewusst, dass es ein Einführungsvideo ist. Was mir nicht gefällt ist, dass es für ein EINFÜHRUNGSvideo schon viel zu wenig Informationen hat. Es scheint wirklich mehr ein Plausch zu sein, da habe ich was anderes erwartet.

Es besteht die Chance, dass Einsteiger auf World-Building hingewiesen werden und sich dann woanders Infos holen, das ist gut. Aber sicher habt ihr Recht und gerade auf deutsch besteht ein Mangel an Videos zu World-Building und englisch scheint für viele deutsche Spieler tatsächlich eine Hürde zu sein. Daher denke ich, wird es darauf hinauslaufen, dass sich die Interessierten bei Orkenspalter ihre Erklärung holen. Daher schaue ich mir die Serie auch genau an.

Till bringt auch einige wenige wichtige Hinweise, z.b. Vermeidung von Fortpflanzungsfehlern, die man später so gut wie gar nicht mehr korrigieren kann.

Ich versuche ja meistens genau zu sein und interessiere mich beim World-Building auch eher für die technische Seite ("Wie funktioniert die Welt?"). Das Video verbirgt die Komplexität der Sache und übersimplifiziert das Ganze, weckt also falsche Erwartungen an den Neuling. Ich habe auch wenig von Teamwork und Arbeitsteilung der verschiedenen Disziplinen gehört, das bestärkt die Leute sicher, alleine ihre Welten zusammenzupfriemeln. Wir alle wollten unsere eigenen RPGs machen und wir alle sind damit auf die Schnauze gefallen. Das ist vermeidbar. Eine schon optimale Einführung, und fast schon ausreichend für die meisten Fragen ist, finde ich, diese vom großartigen Winchell Chung: http://www.projectrho.com/public_html/rocket/worldbuilding.php

Und dann kommt dann jemand und erzählt was von Forbidden Lands?

Vrmtl. habe ich Mhaire beim Wort "Geschichte" falsch verstanden, weil sie es extrem gedehnt auslegt. Und für mich ist es ein GROßER Unterschied, ob man sagt "ich möchte in meiner Welt diese und jene Geschichten möglich machen" - was Der Narr im Video verstand - oder "Ich möchte diese und jene Geschichte erzählen und baue mir dafür die Welt", was ICH verstand! RPG bleibt für mich im Möglichen, wenn ich eine Geschichte hab, dann brauche ich das RPG ja gar nicht mehr anfangen.

 

Gut möglich, dass ich da hinein höre, was ich gerne hören möchte.

So wie du vielleicht auch voreingenommen bist und es kritischer hörst, als angemessen.

Zum Beispiel haben die ja schon gesagt, dass World Building schwierig ist und sinngemäß auch, dass die ersten Projekte für die Tonne sind. Insgesamt stimme ich aber zu, dass die einen locker-flockigen Eindruck vom World Building vermitteln. Das hat aber auch mit den Ansprüchen zu tun oder für wen oder was man die Welt entwickelt.

Was mir noch eingefallen ist, die gehen gar nicht auf Lizenzen und Urheberrechte ein. Stattdessen: "Dann nehm ich mir eine fertige Welt." Ne, so einfach ist es eben nicht. Wenn ich z. B. ein Abenteuer veröffentlichen möchte, nehme ich nicht eine fertige Welt. Dann muss ich mir was einfallen lassen. Möchte ich mich an eine Fan-Lizenz dranhängen? Aber was ist, wenn ich für meine Arbeit Geld möchte? Dann gibt es diese schrecklichen Community-Creative-Spaces z. B. auf DTRPG, die katastophal für die Autoren hinsichtlich der Lizensierung sind. Allein für solche Sachen ist World Building schon Pflicht. Oder wenn ich einen Roman schreiben und veröffentlichen will, ja klar, da nehm ich einfach was aus dem Internet? Mit Sicherheit nicht. Dass die das so blauäugig vorstellen fand ich etwas erschreckend, hat aber auch wieder mit dem Anspruchsniveau und der Zielsetzung zu tun. Die stellen sich halt eher eine Spielgruppe vor, die einfach für sich mal was eigenes machen möchte oder so.