Disputorium

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Zock Bock Radio: Die Namenlose Episode

Die Namenlose Episode

Bin jetzt bei G7 angekommen, zu allem, was danach kommt, kann ich eh nicht viel sagen. Kann euch in vielem folgen, finde diese zwei Folgen im Großen und Ganzen sehr gelungen und eine wertvolle Perspektive auf DSA. Will das jetzt nicht alles noch mal wiederholen, daher nur die Punkte, wo ich gestutzt habe:

1) Ich sehe nicht so zwingend den Zusammenhang zwischen dem DSA3-Spiel à la Götter, Magier und Geweihte oder auch Dunkle Städte, Lichte Wälder etc., einerseits, und dem Metaplot, Aventurischen Boten, G7 andererseits. Hasran hatte ja auch berichtet, dass in seiner Runde zunächst gar keine offiziellen Abenteuer gespielt wurden. Bei uns gab es das schon, aber immer auch gemischt mit eigenen oder konvertierten Sachen, und definitiv ohne Aventurischen Boten. Das ging schon.

2) Es ist ja beim Hofrat ein wiederkehrendes Thema, Uli Kiesow auch wegen seines vergleichsweise geringen Outputs an selbst geschriebenem Material zu belächeln, jetzt eben ergänzt durch eine gewisse Anerkennung für Thomas Römer aufgrund seiner puren Arbeitsleistung. Finde ich ein etwas merkwürdiges Kriterium, fügt sich natürlich in andere wiederkehrende Themen (Stichwort Meritokratie), ist vielleicht menschlich, Leute bevorzugt an etwas zu messen, worin man selber gut ist, objektiv ist es freilich nicht. Und ich finde es dann auch nicht konsistent, andererseits kapitalistische Verwertungslogik zu kritisieren.

Weitere Gedanken während des Hörens:

@Barbiespiel: Ich fand hier DSA 4 (.0, zumindest) zutiefst widersprüchlich. Klar hattest du die ganzen Berufe und Herkünfte usw. alles viel ausdifferenzierter als in MS&Z, aber gleichzeitig hattest du auch die Notwendigkeit, für jeden Punkt in Betören auch Effektivität zu opfern, weil du sie aus dem gleichen Topf bezahlt hast wie Harter Hund oder SF: Gezielter Stich. Das war in DSA3 viel charmanter gelöst, da hattest du einfach, wenn du mit Waffen, Selbstbeherrschung, Sinnenschärfe usw. durch warst, typischerweise noch ein paar Steigerungsversuche einfach übrig, die du dann eben "zum Spaß" verteilen konntest. Nun mag man sagen, gerade dass man Effektivität opfert und einen Zuckerbäcker spielt, macht es doch erst richtig zum Barbiespiel. Sei das wie es sei, ich vermute, für jeden Zuckerbäcker o.ä. gab es 20 Schwertgesellen...

Ich habe in DSA3 tatsächlich einen raufenden, saufenden, Rapier-fechtenden Magier aus Bethana gespielt in der Phileasson-Saga. War mehr so Maverick in Top Gun als Sportstipendium, aber schon so ziemlich der Anti-Klischee-Magier. Hatte viel Freude an dem. Gab dagegen auch keine Widerstände, ich hatte es aber auch gut innerweltlich begründet. 😉

@Prometheus Games: "Inhaltliche Differenzen" dürfte da eine gesichtswahrende Sprachregelung gewesen sein. Prometheus hat ja immer wieder organisatorische und wirtschaftliche Schwierigkeiten gehabt, irgendwie haben sie sich bis heute durchgewurschtelt, aber viele Partner haben sich aufgrund ihrer Unzuverlässigkeit von ihnen abgewandt, wir ja auch.

Wer wir was?

* Orangener Gurt im PJJ * Grüner Gürtel im Drama-Fu (Drachen-Stil) * Brauner Gürtel im Pyro-Fu * Night's Master im Ghoulu Jitsu *

Wir = Pro Indie, es waren damals die ersten Bücher (Western City und Barbaren!) in Kooperation mit Prometheus erschienen. Die Reprints und spätere Veröffentlichungen waren dann über DTRPG / Print-on-Demand.

Die Regeln, vor allem bei DSA4, waren für mich auch immer das was mir am schweresten zu schaffen gemacht hat. Ein Riesenmolch, mit zig Sub-Subsystemen, die teilweise, ohne Not oder Sinn, recht unterschiedlich funktionieren. Meta-Talente, aber nur zwei, drei. Ausführliche Rüstungs- und Waffenerstellungsregeln, noch ausführlichere Alchemieregeln, aber praktisch nichts zu der langen Liste an anderen Handwerkstalenten.

Oder um es einma landers zu sagen: ich mag Regeln und Regelnutzung ganz allgmein, da habe ich mein Spaß dran und ich bilde mir zumindest ein, dass ich auch recht gut darin bin Regeln zu verstehen. DSA4 habe ich fast vom Erscheinen bis zur Einstellung, praktisch durchgehend gespielt, jahrelang in einer wöchentlichen Runde, teilweise in zwei Runden parallel. Trotzdem habe ich mit meinen Regelkenntnise auch nach Jahren noch teilweise geschwommen, wie ich es sonst nur in den ersten "Sitzungen" mit neuem System kenne. Das mag teilweise auch an der Spielkultur gelegen haben, da ich viel mit Leuten,  gespielt habe, die praktisch die Segel vor diesem Moloch gestrichen hatten, aber als begeistere DSA Fans bei den Original Regeln bleiben wollten.  Aber auch in späteren regelfesteren Runden hatten wir eigentlich oft eher trotz und nicht mit oder gar wegen der Regeln Spaß gehabt.

DSA4 ist einzige Runde, die ich als SL eingestampft habe und dass obwohl sie in allen andern Bereichen Spaß gemacht hat und die Spieler weitermachen wollten, weil mir die Regeln auf den Geist gingen und ich keine Lösung einfach Lösung dafürgeunden habe.

DSA4 ist das einzige System, in dem wir mit zwei Regelwerken und zwei regelfesten Spielern es, an einem langen Spielabend, nicht geschafft haben Personagen für alle Spieler komplett zuerstellen.

Und und und.

Das merkwürdigste an DSA4 ist für mich der fehlende payoff. Bei ASL habe ich was davon, wenn ich mir die Regeln gebe. und selbst die volle 3rd Edition D&D Dröhnung hat dann was Gutes, wenn man sich ganz drauf einläßt.

Aber bei DSA4?

Ein bißchen konnte Rillenmanni es ja näherbringen, aber vlt. bekommen wir nochmal Björn S. an die Strippe. Der ist ja 4.1 Radikalinsky, bis in die Tabellen und Punktedetails hinein.

Vielleicht noch zur Klarstellung bezüglich Prometheus, das soll keine billige Retourkutsche 10 Jahre später sein, ich werfe da gar niemandem etwas vor. Christian Löwenthal ist ein netter Kerl, ich unterstelle ihm keine bösen Absichten, der kämpft halt seit 15 Jahren fortwährend um seinen Broterwerb als Rollenspielhändler und -verleger und konnte die sich stapelnde Arbeit und die sich ebenfalls stapelnden Rechnungen nicht immer bewältigen, ich habe da Verständnis für. Stilistisch kann man da unterschiedlich mit umgehen, vgl. Uhrwerk, naja Patric ist halt eher so der Boston-Mann und Christian eher so der Portugiese, muss es beides geben. 😉

Zitat von Settembrini am 23. Dezember 2020, 10:50 Uhr

Das merkwürdigste an DSA4 ist für mich der fehlende payoff. Bei ASL habe ich was davon, wenn ich mir die Regeln gebe. und selbst die volle 3rd Edition D&D Dröhnung hat dann was Gutes, wenn man sich ganz drauf einläßt.

Aber bei DSA4?

Ein bißchen konnte Rillenmanni es ja näherbringen, aber vlt. bekommen wir nochmal Björn S. an die Strippe. Der ist ja 4.1 Radikalinsky, bis in die Tabellen und Punktedetails hinein.

Ja, das trifft es recht gut. Ich will DSA4 garnicht absprechen, dass es da nicht auch einzelne Regelelemente gibt die ich/man irgendwie toll/passend/klug gemacht finden kann. Oder einzelnde spannende Regelexploids. Aber dieses wohlige Gesamtgefühl, wenn es dann flutscht, das kommt irgendwie nie auf. Klar, hatten wir in all den Jahren auch mal Sachen, wo jemand klug und spektakulär etwas mit den Regeln gemacht hat. Aber oft hat es irgendwo geharkt und die meisten Kämpfe waren halt lang und zäh, da gab es auch tolle Ausnahmen von, aber die waren halt genau das: die Ausnahme. So viele Regeln, aber die greifen alle nicht so richtig in einander.